Das Internet als Archiv
Dienstag, 20. Juli 2010
Ich denke mal, es würde mir niemand widersprechen, wenn ich jetzt die These aufstelle, dass das Internet im Laufe der Zeit seiner Existenz zu einem gewaltigen Archiv herangewachsen ist. (Un-)Nützliches Wissen der Menschheit für die Ewigkeit auf rotierenden Scheiben gespeichert. Zeitungsartikel, Radio- und TV-Sendungen, Fotos… – Und von all dem ganz schön viel. Wenn in fünf oder zehn Jahren jemand einen Bericht über die Katastrophe auf und mit der Deepwater Horizon schreiben möchte, dann wird dieser arme Tropf von Informationen förmlich erschlagen: Duzende großartige Fotostrecken, hunderte Videos auf Youtube, davon einige dokumentarischer Natur andere wiederum schamlose Parodien auf das Unvermögen eines Öl-Konzerns. Eigentlich ist das doch eine wirklich tolle Idee, dieses Internet welches nichts vergisst. – Ein Archiv für die Ewigkeit (oder zumindest für „sehr lange“) dass sich quasi nebenbei selbstständig immer weiter vergrößert. Und jeder kann daran teilhaben und mitwirken.
Das hat auch der Deutsche Politiker erkannt und findet nun, dass das so nicht bleiben kann. Zumindest nicht für Inhalte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Und dabei sind doch ausgerechnet ARD, ZDF und Co. so engagiert bei der Sache, ihre Online-Mediatheken weiter auszubauen und regelmäßig Inhalte ins Netz zu blasen.
Doch der zwölfte Rundfunkstaatsvertrag, der letztes Jahr in Kraft trat wird diesem Treiben ein Ende setzen. Dieser fordert nämlich in gewisser Weise eine Verweildauer für diese Inhalte im Netz. So dürfen aktuelle Inhalte nur eine Woche online sein, Bildungsinhalte bis zu fünf Jahre usw. Die durchschnittliche Verweildauer soll bei etwa einem Jahr liegen.
Ein typisch deutscher Regulierungs-Irrsin, wie ich finde, der etwas kaputtmacht, was doch eigentlich eine großartige Erfindung ist… Ein für die Löschungen verantwortlicher Redakteur fasst das Ganze so zusammen: „Ich werde von Rundfunkgebühren dafür bezahlt, mit Rundfunkgebühren erstellte Inhalte zu löschen.“


